Übergabe der Zertifikate Stufe 1 bei der IHK-Akademie in München

Doch ist damit alles im Lot bei der beruflichen Bildung? Mitnichten. So führe die Konjunkturabhängigkeit zu großen Schwankungen. Amann plädierte jedoch dafür, am Bedarfsprinzip festzuhalten. Denn so hätten die Auszubildenden bessere Chancen, übernommen zu werden. Mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen – die Bertelsmann-Stiftung hat bundesweit 193 Angebote gezählt – werde versucht, Jugendlichen mit Handicap zu helfen. Doch bei mangelnder Integrationsfähigkeit stießen die Unternehmen an ihre Grenzen, hier sei das Schulsystem gefordert.

 

Überhaupt die Bildung: Was Lesen und Schreiben angehe, hätten zwölf Prozent der 15-Jährigen nur Grundschulkenntnisse. Und jedes Jahr verließen 6000 Jugendliche in Bayern ohne Abschluss die Schule. „Sie sind schwer auf die Spur zu bringen“, sagte Amann deutlich. Auch hier gelte: Nach dem Verursacherprinzip müsse dort Abhilfe geschaffen werden, wo das Problem entstehe. Also in der Schule.

 

Ähnlich nachdenklich äußerte sich Amann über den demografischen Wandel, die zunehmende Überalterung der Gesellschaft.  Zwischen 2005 und 2025 sinke die Zahl der Sechs- bis 16-Jährigen in Niederbayern um 25 Prozent, allenfalls in Ballungszentren wie München werde es etwas leichter werden; hier sei sogar noch mit kleinen Zuwächsen zu rechnen. Amanns Fazit: „Der Kampf um die Nachwuchskräfte wird härter werden“. Manche Unternehmen würden sogar Fangprämien für die besten Auszubildenden zahlen.

 

Und die Ausbilder, um die es an diesem Nachmittag ging? „Sie sind besonders gefordert“, sagte Amann an die 17 Männer und Frauen gerichtet. Schon die Suche nach Auszubildenden sei schwierig. Dann die Auswahl: Nicht mehr nur die Besten können genommen werden, „manche Unternehmen senken bereits die Anforderungen“. Und die Auszubildenden bräuchten noch dazu mehr Führung, mehr Betreuung und mehr Zuwendung. „Das Angebot der BAA kommt da zum richtigen Zeitpunkt.“

 

Das sieht auch Ministerialdirigent Hermann Lück vom bayerischen Wirtschaftsministerium so. „Mit der BAA tragen wir dem Fachkräftebedarf in der bayerischen Wirtschaft Rechnung“, sagte er. „Dafür brauchen wir Sie, meine lieben Ausbilderinnen und Ausbilder.“  Die Bedeutung der beruflichen Weiterbildung sei mittlerweile in vielen Köpfen, „der Stellenwert ist besser geworden“.

 

Darüber freuen sich auch die Ausbilder. Am Rand der Veranstaltung kamen sie miteinander ins Gespräch. Immer wieder ging es um einen zentralen Punkt: Sicher sei die ständige Weiterbildung, die die BAA mit ihrem dreistufigen Zertifizierungsprogramm würdige, sehr wichtig. Aber sie koste viel Zeit und ernte bei den Kollegen oft nur Kopfschütteln. Doch langsam spreche sich herum, was die BAA mache. Und das Erstaunen schlägt um in Respekt für die Mehrarbeit – was wiederum die Ausbilder motiviert und damit auch den Jugendlichen zugute kommt.

 

Dr. Markus Weingärtner, stellvertretender Geschäftsführer Weiterbildung bei der IHK München, hatte es in seinen einleitenden Worten so ausgedrückt: „Die erste Spielzeit war sehr erfolgreich.“ Daher seien sich Wirtschaftsministerium und Regierung von Oberbayern einig: „Die IHK soll verlängern.“ Wie erwartet wurde denn die Förderung auch verlängert.